Das Projektteam im Portrait: Claire Pillsbury

Claire Pillsbury aus San Francisco unterstützt für sechs Wochen das Projektteam rund um TECHNORAMA 2050. Im Interview berichtet sie von ihren Erfahrungen mit Grossprojekten in Museen und was ihr an der Schweiz und dem Technorama besonders gefällt.

Wer bist Du und was machst Du normalerweise, wenn Du nicht hier bist?

Ich bin Claire Pillsbury, ich bin Beraterin und arbeite mit Museen zusammen, indem ich sie bei der Entwicklung von Ausstellungen unterstütze. Das beinhaltet die Ausstellungsgestaltung, die Entwicklung neuer Ideen sowie das Begutachten bereits bestehender Ausstellungen.

Warum besuchst Du momentan das Technorama?

Ich habe mit Armin Duff [Leiter der Ausstellung im Technorama] an der Entwicklung eines Projektvorschlags für das Fulbright-Programm zusammengearbeitet. Das Projekt konzentrierte sich auf die Planung von «TECHNORAMA 2050».

Der Vorschlag wurde im vergangenen Jahr genehmigt und das Projekt begann im März dieses Jahres. Was ich tue, hat – kurz gesagt – alles mit dem TECHNORAMA 2050 zu tun: Ausstellungsbewertungen, Planung der temporären Ausstellung und Planung für die Zukunft. Ich arbeite eng mit dem Ausstellungspersonal zusammen und gebe Ideen und Inputs aus meinen Erfahrungen in anderen Wissenschaftszentren, die dem Technorama ähneln.

Was war Dein erster Eindruck vom Technorama? Und was sind die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zum Exploratorium in San Francisco, mit dem du ja vor allem zusammenarbeitest?

Ich finde, das Technorama ist ein fantastisches Wissenschaftszentrum, das sich ständig weiterentwickelt und wächst. Es gibt so viele wunderbare Ausstellungen, bei denen die Besuchenden spielend Dinge ausprobieren und Neues entdecken können.

Das Technorama verfügt ausserdem über ein unglaublich hohes Mass an Ingenieurwesen und Design, an das nur sehr wenige Wissenschaftszentren heranreichen. Es gibt auch Respekt für Künstler, die wissenschaftliche Phänomene mit vielen interaktiven Kunstwerken erforschen, was es zu einem überraschenden und erfreulichen Ort für Besucher macht.

Wenn ich es mit dem Exploratorium oder anderen grossen Wissenschaftszentren vergleiche, würde ich sagen, dass das Technorama seinen ganz eigenen Stil hat – und gleichzeitig definitiv zu den besten der Welt gehört. Es gibt so viele innovative Ausstellungserlebnisse, und der Park ist wunderbar. Besucher geniessen ihre Zeit hier wirklich – man sieht es ihnen an den Gesichtern an. Sie fühlen sich wohl und selbstbewusst beim Erkunden.

Wie ist es für Dich, mit dem Technorama-Team zu arbeiten?

Ich bin erstaunt, wie produktiv alle sind. Ich denke, in der Schweiz haben die Menschen eine bessere Work-Life-Balance als in den USA – es gibt mehr Akzeptanz für den Zeit, die nicht mit der Arbeit verbracht wird – aber wenn die Menschen hier sind, sind sie so fokussiert und sehr produktiv. Das Ausstellungsteam, also die Gastgebenden und der Gästeservice, mit denen ich die meiste Zeit hier zusammenarbeite, arbeiten alle darauf hin, das bestmögliche Besuchserlebnis zu erreichen. Es gibt ein aufrichtiges Engagement dafür, und ich teile diese Werte.

Gibt es etwas, worauf Du Dich in der Schweiz oder hier in der Region besonders gefreut hast?

Es ist so einfach, die Schweiz zu erkunden – sich fortzubewegen mit dem Zug oder den anderen öffentlichen Verkehrsmitteln. Natürlich habe ich mich darauf gefreut, Museen zu besuchen, weil ich ein Museumsmensch bin.

Besonders begeistert mich aber auch, dass es in der Schweiz immer noch so viele traditionelle Handwerks- und Designpraktiken gibt. Dinge aus Holz, Weberei und mehr. Ich habe zum Beispiel das Landesmuseum in Zürich besucht, und sogar der Museumsladen hatte diverse interessante Beispiele für Schweizer Design und Handwerkskunst. Es gibt so viele kreative Möglichkeiten, Dinge herzustellen und Materialien wiederzuverwenden.

Ein weiteres Highlight für mich war der Botanische Garten. Ich habe erwartet, dass es sehr schön sein würde, aber es gab trotzdem vieles, das mich überrascht hat. Es gab zum Beispiel eine Ausstellung verschiedener Arten von Bienenhäusern, die man bauen konnte, und Beispiele, wie man Strukturen aus natürlichen Materialien baut. Das war wirklich inspirierend.

Manchmal gibt es die Vorstellung, dass die Schweizer Kultur nur sehr traditionell und strukturiert ist, aber ich erlebe hier fast das Gegenteil – dass Kreativität und Innovation überall sind, wenn man danach sucht.

Das Technorama bereitet ein grosses Renovierungsprojekt vor. Du hast so ein Projekt im Exploratorium schonmal erlebt. Wie war das und was, denkst Du, können wir erwarten?

Es ist definitiv eine einzigartige Gelegenheit für alle, die hier arbeiten. Meistens hat man keine Chance, einen Schritt zurückzutreten und tief über seine Institution nachzudenken, aber in so einer Zeit des Umbruchs kann man fragen: Was sind die Grundwerte? Was möchten wir behalten und in die Zukunft mitnehmen? Was sind die zukünftigen Bedürfnisse und Chancen?

Es ist auch eine grossartige Gelegenheit für alle Teams, auf unterschiedliche Weise zusammenzuarbeiten. Manchmal kann man im Arbeitsalltag schnell denken: «Niemand versteht meinen Job», aber bei einem solchen Projekt entsteht ein neues Gefühl von Zusammenarbeit, mit noch mehr Verständnis und Respekt füreinander.

Du versuchst, etwas Neues zu machen, und oft gibt es keine perfekte Lösung. Darum muss man die Dinge bei solchen Projekten immer wieder wirklich gemeinsam herausfinden.

War es in dieser Zeit im Exploratorium chaotisch?

Als wir in das neue Gebäude des Exploratoriums einzogen, um alle Ausstellungen vorzubereiten, war der Bau noch nicht vollständig abgeschlossen. Du versuchst zu arbeiten, während die Elektriker und Klempner noch ihre Arbeit beenden. Das kann durchaus sehr chaotisch sein – aber das passiert bei Neubauprojekten öfter, als man denkt.

Es gab auch viele unerwartete Dinge. Zum Beispiel war das Brandmeldesystem im neuen Gebäude sehr empfindlich.  Bevor wir für die Öffentlichkeit geöffnet waren, konnte Staub oder Dampf vorübergehend einen Alarm auslösen und das gesamte Personal musste evakuieren.  Wir mussten draussen warten, bis die Feuerwehrautos eintrafen und die Feuerwehrleute bestätigten, dass es ein Fehlalarm war, bevor wir wieder reingehen konnten.

Die Hälfte deiner Zeit in Winterthur ist schon herum. Was möchtest Du noch unternehmen?

Ich würde gerne noch nach Basel gehen – ich war schon vor langer Zeit dort und erinnere mich gut, dass ich versucht habe, das Vitra Design Museum zu besuchen. Leider wusste ich damals nicht, dass es auf der deutschen Seite ist und ich meinen Pass gebraucht hätte.

Aber vor allem freue ich mich einfach darauf, hier mit dem angenehmeren Frühlingswetter zu sein und lange Spaziergänge in der Stadt oder Wanderungen in den Bergen zu machen.


Über Claire Pillbury

Claire Pillsbury ist Museumsfachfrau, Kuratorin und Beraterin mit über 20 Jahren Erfahrung im internationalen Museumsbereich. Sie ist spezialisiert auf Ausstellungsentwicklung, informelles Lernen und interdisziplinäre Erfahrungen, die Wissenschaft, Kunst und Design miteinander verbinden.

Sie hatte unter anderem leitende Positionen im Exploratorium in San Francisco und der California Academy of Sciences inne. Als Beraterin hat sie mit Museen und Wissenschaftszentren weltweit zusammengearbeitet und zu zahlreichen internationalen Projekten beigetragen, unter anderem durch das «Fulbright Specialist Program». Claire Pillsbury unterstützt das Projektteam von TECHNORAMA 2050 im als Ideengeberin und Beraterin für das Provisorium während der Bauphase.

Weitere Beiträge entdecken